Kalkulation

 

1. Beschreibung der Aufgabe

Die Kalkulation dient der Berechnung der voraussichtlichen Kosten, die bei der Herstellung des Bauwerkes entstehen könnten. Die Kalkulation ist Grundlage der Preisermittlung in der Akquisition und ist Grundlage für die wirtschaftliche Steuerung des Bauprojektes.

Das Thema Kalkulation wird in der Regel als eine Aufgabe der Baufirma gesehen und entsprechend werden die Methoden auch für den Herstellungsprozess Bauwerk beschreiben. Grundsätzlich gilt nach den gleichen Methoden können auch die voraussichtlichen Kosten bei Planungsprozessen wie Tragwerksplanung etc. berechnet werden.

Grundlage der Kalkulation ist die Beschreibung der Leistungen über die Positionen des Leistungsverzeichnis. Bezogen auf diese werden die Einzelkosten der (Teil)Leistung ermittelt und die Gemeinkosten der Baustelle und der Baufirma erfasst und verteilt.

bauteile nach positionen explosionszeichnung

 

2. Arbeitsschritte

Wie berechne ich die voraussichtlichen Kosten, die bei der Herstellung des Bauwerks entstehen?

2.1. Ausschreibung lesen

Die Ausschreibungsunterlagen lesen und auf Vollständigkeit prüfen. Fehlende Angaben beim Ausschreibenden anfordern. Das Zusammenspiel Vertragsentwurf mit Leistungsbeschreibung, mit Plänen, mit dem SiGe-Plan prüfen und die vorgegeben Rahmenbedingungen erkennen und Lösungsansätze finden. Auf der Basis des Vertragsentwurfs die Kalkulationsmethode wählen:

    • Einheitspreismethode
    • Pausschalpreismethode
    • Bauteilmethode
    • Methode der Kostenschätzung

 

2.2. Auswertung der Leistungsbeschreibung

Die Leistungsbeschreibung auswerten und sofern kein Leistungsverzeichnis vorliegt ein Leistungsverzeichnis erstellen. Das mögliche Produktionskonzept erstellen, mit Bauabschnitten in einem 3D-Modell erfassen und die notwendigen Eigenschaften und Regeln zu den Bauabschnitten festlegen. Dazu gehört auch die Vorauswahl von Fertigungsverfahren, die für die Kostenermittlung erforderlich sind.

bauabschnitte reihenfolge 1024x492

2.3. Parameter festlegen

Die Parameter der Kalkulation, wie Mittellohn, Gemeinkosten der Baustelle, Allgemeine Geschäftskosten und Wagnis&Gewinn festlegen. Je nach Art des Angebotes erfolgt die Festlegung über Prozentsätze oder Geldbeträge.

2.4. Preise anfragen

Einkaufspreise für Material, Betriebsmittel und Nachunternehmer anfragen. Dabei müssen auch Lieferzeiten und die Verfügbarkeit geprüft werden.

2.5. Positionen kalkulieren

Ermittlung der Einheitspreise pro Position. Auf der Basis der Teilleistungen einer Position werden zunächst die Einzelkosten Lohn, Material, Betriebsmittel und Nachunternehmer ermittelt. Dabei ist der Umrechnungsfaktor für die Einheiten, bezogen auf die Ausschreibungseinheit zubeachten. Auf die Einzelkosten der Teileistungen werden die Baustellengemeinkosten, die allgemeinen Geschäftskosten und der Wagnis&Gewinn gerechnet.

2.6.  Angebot zusammenstellen

Auf der Basis Einheitspreis * Ausschreibungsmenge werden für alle Positionen der jeweilige Gesamtpreis berechnet und die Summe aller Gesamtpreise ergibt die (Netto)Angebotssumme.

2.7. Angebotsstruktur prüfen

Bei dem erstellten Angebot wird für ausgewählte Positionen die Angebotsstruktur überprüft mit der Zielsetzung die Angbeotssumme gegebenfalls noch zu senken. Dabei werden auf der Basis der ABC-Analyse die Positionen mit dem höchsten Ausschreibungsmengen oder Einheitspreisen oder Gesamtpreisen oder Aufwandswerten heraus gefiltert und die Kalkulationsansätze überprüft und geändert.

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3. Regeln und Hinweise

      • Kalkulationsmethoden sind Aufgaben des inneren Kreislaufes.
      • Vorkalkulation, beschreibt unterschiedliche Methoden zur Abschätzung der voraussichtlichen Kosten für Bauteile, Bauabschnitte oder Bauwerke. Die Methoden der Vorkalkulation sind Schätzverfahren, die oftmals auch als Grundlage für die Preisermittlung in der Akvisition genutzt werden.
      • Angebotskalkulation, beschreibt die Methode zur Ermittlung der voraussichtlichen Kosten für die Preisermittlung in der Angebotsphase. In der Angebotskalkulation sollten die Kosten gemäß den Leistungen ermittelt werden, was aber bedingt durch den Aufbau des Leistungsverzeichnisses und der gewünschten Preisangabe nicht immer möglich ist. Als Urkalkualtion ist die Angebotskalkulation Bestandteil des Vertrages mit dem Auftraggeber.
      • Arbeitskalkulation, beschreibt die echte Kostenverteilung der Leistungen. Diese Verteilung ist für die Steuerung der Baustelle wesentlich. Die Arbeitskalkualtion ist von der Preisermittlung unabhängig und nicht bestandteil des vertrages mit dem Auftraggeber.
      • Nachtragskalkulation, beschreibt die Methode zur Ermittlung der Kosten für Leistungen, die nachträglich in den Vertrag aufgenommen werden sollen. Basis der Nachtragskalkulartion ist die Urkalkulation.
      • Nachkalkulation, beschreibt die Methode zur Datenermittlung und Auswertung der Ist-Daten zur Berechnung von Vorgabewerten für die Kalkulation.
      • Einzelkosten umfassen die vier Kostenarten Lohn, Material, Betriebsmittel und Nachunternehmer.
      • Gemeinkosten umfassen die drei Kostenarten, Baustelleneinrichtung, Allgemeine Geschäftskosten und Wagnis.

 

Beispiel

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